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 Betreff des Beitrags: Der Bruderkrieg
BeitragVerfasst: 6. Jan 2004, 16:09 
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Der Bruderkrieg

Larynda sah aus dem Zelt über das provisorische Lager. In der Dunkelheit waren sie gut vorborgen und selbst am Tag bedurfte es einem geschultem Auge und einem misstrauischem Blick, das Versteck unter dem Felsvorsprung zu entdecken. Zudem waren selten Wanderer so nah dem östlichen Grad unterwegs. Im Schatten schienen nur die Augen der Wachen schwach rötlich zu funkeln.
Das Zelt selbst war innen mit edlen Stoffen und teuren Tuchen ausgekleidet. Es war geräumig und schien keinen Komfort missen zu lassen. Selbst die Kissen waren mit reichen Verziehrungen von uralten Runen der Desineth bestückt. Sie fühlte sich im Inneren selten Unwohl trotz der purpurnen Farbe der Schleier, welche von der Decke hingen und das schwache Licht der Öllampen vielseitig brachen und Diffus erscheinen liessen.
Sie wendete den Blick zu einem der Wachen am Eingang. Es war Lorion, ein junger aber fähiger Jabbuk den sie zu ihrem Kyrol gemacht hatte.
„Ich wünsche keine weiteren Störungen heute Nacht.“, zischelte sie und blickte noch einmal über den gegenüberliegenden Berghang. „Falls die Suche eures Bruders noch erfolgreich sein sollte, soll er es ... was immer es gewesen sein mag zur Strecke bringen!“ Die Augenbrauen der Ilharess zogen sich verärgert zusammen nach ihrem letzten Satz und ihre Blicke trafen zornig auf den Kyrol. Dieser nickte nur stumm und sah demutsvoll wieder ins die Leere vor sich.
Eigentlich war Larynda ein Vertreter der geduldigen Art, zumindest für eine Drow. Aber in den vergangenen Tagen hatten sie immer wieder das Gefühl nicht die einzigen am Fuße des Grades zu sein. Seine Hochtäler, steilen Schluchten und Finsteren Wipfel verbargen so manches Ungetüm, dass selbst den ihrigen zum Verhängnis werden konnte. Einen Bergtroll hätten sie sicher längst aufgespürt. Der Jabbuk Imion liebte die Hetzjagd. Er brachte das ein oder andere seltene Stück mit von seinen Jagden.
Nein ein Bergtroll konnte es nicht gewesen sein. Larynda verzog den Mundwinkel. Unheil war im Gange. Sie kniete vor dem aufwendig geschmückten Altar nieder. Murmelte ein paar Worte und ließ sich dann in den Schneidersitz gleiten. Das Buch, nach dem sie griff war gut 1000 Jahre alt. Dafür schien das Pergament außerordentlich gut erhalten. Fast wirkte es magisch konserviert und in der Tat erkannten die älteren Faern den Schutzzauber, der auf ihm lag.
Die Ilharess schlug es auf und befühlte zuerst die Fussnote auf der Seite unten rechts. Es schien das hochelfische Zeichen für einhundertsiebenundsiebzig zu sein. Auf Desineth sprach sie: „Verbirg dich nicht, denn ich bin ein Ahne.“ Die Fussnote wandelte sich von der hochelfischen in eine dunkelelfische Rune. Sie bedeutete zweihunderzwölf. Ein Kopfschütteln offenbarte das sie auf der falschen Seite gelandet war. Sie blätterte einige Seiten vor, wiederholte die Prozedur und gelangte zur Seite fünfhundertfünf. Quasi das gesamte Buch war so verschlüsselt. Es war jedoch zugleich in allen drei Sprachen geschrieben.
Delaya hatte ihr viel mehr geschenkt, als die schnippische Auelfe zugegeben hätte. Sie hatte Larynda den Weg geebnet das Buch der Legenden, so wie sie es nannten, zu lesen. Denn erst der Funken Güte Delaya’s war es gewesen der es Larynda möglich machte die Sprache der anderen zu erlernen, was bisher jedem Dunkelelfen verborgen blieb. Larynda lächelte listig, bei dem Gedanken daran. Schliesslich hatte sie verstanden das Buch zu entschlüsseln. Die ein oder andere Yathrin hatte sich zuvor daran versucht und mit ihrem Leben dafür bezahlt.

Larynda versank in den Zeilen:

Denn dort wo die Schatten wohnen, wohnen auch sie, unsere Brüder. Vergeblich wäre der Zorn der sie einmal gestraft hat. Und doch, einmal wird sich unser Zorn rächen. Denn so war es eine Entscheidung beider Völker das Blut gegeneinander zu vergiessen. Wir nennen es die graue Zeit, da Licht nicht mehr von Schatten zu trennen war. Doch Lloth, die listige Spinnengöttin erkannte ihrerseits die Chance sich eines der vollkommenen Völker zuteile zu machen.
Und so erschien sie den Mordenden und sprach: „Folget mir und der Zorn des fremden Gottes wird euch nichts anhaben können. Ich verberge euch unter den meinigen, ich führe euch in meinen Schoss und will euch mit neuem Leben erfüllen, euch Mutter und Vater sein, Morgen- und Abendstern.“
Da rief das Volk des Gottes Araziel: „Willst du nicht deinem Volk beistehen und sie vor diesem Schicksal bewahren?“
Doch Araziel sprach: „Es ist ein vollkommenes Volk. Wer aus ihnen wüsste besser um ihre Entscheidung als sie selbst. Sie will ich nicht strafen, wohl aber die Spinne in Gestalt der schwarzen Frau, die ihr da nennt Lloth.“
Und Araziel schickte seinen Engel Raziel um Lloth zu strafen. Doch Raziel, dessen Macht nicht so unbegrenzt war, wie die seines Gottes konnte Lloth unter der Erde nicht finden. Denn seine Macht endete mit dem Tageslicht. Lloth aber führte ihr Volk tief unter die Erde und schürte in ihren Herzen die Tapferkeit. All ihre Schwächen, so sagt man legten sie ab. Es sind nur wenige, da sie die schwachen Kinder nach der Geburt erdrosseln und nocheinmal so viele von ihnen sterben bei den Qualen bis zur Reife. Und doch sind sie beseelt von einem Gedanken: Herrschen, weit und breit unter der Sonne.
Und so wird es kommen. Es ist einmal geschehen und es wird wieder geschehen. Wenn der zweite grosse Krieg ausbricht wird das Ende der Welt nah sein. Den Raziel in seiner Not belegte Lloth mit einem Fluch, das sie die Erde, die sie so sehr begehrt in Schutt und Asche lege, sollte sie jemals wieder ans Tageslicht zurück kehren.
Der Bruderkrieg ist unumgänglich. Und bald schon wird eine Zeit kommen in der das Schicksal der Erde in den Händen der Elfen liegt.

Die Letzte Elfen-Rune zeigte das alte Wort für ‚Elfen’, das vor dem ersten grossen Krieg. Sie schrieb es in Desin’eth ab und kritzelte in geschwungenen Buchstaben darüber:

„Geehrte Delaya,
Ich schicke dir einige Zeilen meiner Arbeit. Endlich ist es mir gelungen, dank deiner Hilfe das Buch der Legenden zu entschlüsseln. Ich hoffe du hast die Lektionen in der Sprache des Volkes der Drow säuberlich gelernt. Es ist nur für deine Augen bestimmt. Daher verzeih mir die kleine Verschlüsselung.

Hochachtungsvoll
Larynda“

Sie pfiff leise und ein Rabe flatterte geschickt durch das verschleierte Zelt. Er landete auf Larynda Hand. Sie übergab ihm den Brief und flüsterte: “Finde die Elfe mit den goldenen Haaren, die sie Delaya nennen.“ Der Rabe schwang sich in die Lüfte und flog Richtung Westen.


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